Dienstag, 20. September 2016

Der Kampf vor En'Kara



Das Schiff legt schon an. En'Kara ist praktisch einen Gianisprung von Siwa entfernt. Wo einst berüchtigte Piraten hausen, blüht die Stadt der elf Türme, wie sie auch genannt wird, jetzt auf. Ich habe nur wenig bisher von En'Kara gehört – woran das wohl liegt? Meine Neugierde wächst. Sind es tatsächlich elf Türme? Ich würde sie gleich zählen. Aber wie üblich, wenn ich vorher Pläne mache, kommt alles ganz anders.

En'Kara, die Stadt der elf Türme
Die Pfeile fliegen mir plötzlich um die Ohren. Sie kommen aus dem Wald und jagen zielsicher auf die hohen Mauern der Stadt En'Kara. Die Antwort aus En'kara kommt schnell – in Form von einem Pfeilhagel. Ich rette mich mit einem gewagten Sprung ins nächste Gebüsch am angrenzenden Waldrand. Eigentlich wiege ich mich zwischen dem blickdichten Laub und den hohen Baumstämmen in Sicherheit. Die mir bisher noch unbekannten Angreifer scheinen abgelenkt und nur auf die Stadtmauer fixiert und die Krieger En'Karas verschießen ihre Pfeile nicht willkürlich in den Wald. Ich würde einfach warten, bis sich die Lage beruhigt hat. Wieder ist es meine Neugierde, die mich unvorsichtig werden lässt. Ich strecke den Kopf vor und was ich sehe verschlägt mir glatt den Atem. Eine ganze Hand voll, vielleicht gar ein Dutzend, Waldweiber greifen En'Kara an. Warum? Was für einen Grund hätten Wilde eine Festungsanlage wie En'Kara anzugreifen? Hunger? Gier? Hass? Es ist doch ersichtlich, dass ein paar Wilde keine Chance gegen eine Festung mit hohen, dicken Steinmauern und einem langen Graben davor haben. Plötzlich spüre ich nur noch einen dumpfen Schmerz am Hinterkopf, etwas Hartes trifft meinen geschorenen Schädel und ich sacke zu Boden. Mir wird schwarz vor Augen.

Die Schmerzen lähmen mich und mir ist übel, aber die schmalen Hände packen mich am Kragen. Mit ungewohnter Kraft ziehen sie mich wieder auf die Beine. Alles liegt noch verschwommen vor meinen schwindelnden Augen. Ist das wirklich eine Frauengestalt, die mich auf die Beine hievt? Ich blinzle angestrengt, erst nach einigen Ihn sehe ich klarer. Ein makelloses, wunderschönes Gesicht, umrahmt von blondem Haar, das wild über die zierlichen Schultern fällt. Ihr Körper ist trainiert, halbnackt, bewaffnet und mit Bemalungen verziert. Ich schlucke. Eine Wilde. Und was für eine! Würde der pochende Schmerz in meinem Kopf nicht anhalten, würde ich sie sofort übermannt von meiner Gier zu mir nehmen. Noch nicht ganz bei mir, dennoch gewillt um mein Überleben zu kämpfen, hebe ich meine Arme, um ihr zu zeigen, dass ich keine Gefahr für sie darstelle. Sie macht allerdings keine Anstalt mich zu fesseln oder gar zu töten. Stattdessen zischt sie mir zu: „Und jetzt schau zu, dass Du Dich in Sicherheit bringst!“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, auch wenn es mir schwerfällt, mich von dieser Schönheit zu trennen. Ich nehme die Beine in die Hand und renne, tiefer in den Wald. Ich höre erst auf zu Laufen, als meine Beine unter mir einfach wegsacken. Schnaufend schaue ich mich um. Es ist sehr still, nicht einmal die Vögel geben einen Laut von sich. Wo bin ich? Schwerfällig raffe ich mich hoch und suche einen Weg. Während ich durch den Wald stolpere und nach irgendeinem Anhaltspunkt suche, geht mir die fremdartige Schönheit nicht aus dem Kopf. Sie ist anders, als die Taluna damals am Handelsposten. Ihre helle Haut, das blonde Haar und die eisblauen Augen zogen mich für wenige Ihn in ihren Bann. Wer ist sie?

Kommentare:

  1. ..na wenn Du so weiter pilgerst, dann schaffst Du Deine 10 Regionen noch bis zur nächsten Pilgerfeier am 4.10....
    Weiter so!
    Lady Bea Fawcett

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  2. Ich würde eher vorschlagen, dass du langsamer wirst und erst mal den Busch der Waldschönheiten, geniesst. Äh, Wald, ich meine Wald natürlich. Erst mal schön im Wald bleiben und dem kleinem Pilger die große Welt zeigen.

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